Reb­sor­ten im säch­si­schen Anbaugebiet

Wer sich Wei­ne aus Sach­sen gönnt, der genießt Rari­tä­ten – nur knapp 0,2 % der deut­schen Wei­ne stam­men aus dem Anbau­ge­biet. Die klei­ne Flä­che tut aber der Viel­falt kei­nen Abbruch: Auf den säch­si­schen Wein­bergs­la­gen wer­den knapp über 60 Reb­sor­ten ange­baut. 80 Pro­zent davon sind wei­ße und 20 Pro­zent sind rote Sor­ten. Sach­sen ist also eher ein Weiß­wein-Land. Die wei­ßen Haupt­reb­s­or­ten ent­fal­len auf Mül­ler-Thur­gau (14,9 %), Ries­ling (13,9 %) und Weiß­bur­gun­der (11,7 %). Die roten Haupt­reb­s­or­ten sind Spät­bur­gun­der (8,2 %) und Dorn­fel­der (4,5 %). Wei­te­re beson­de­re Reb­sor­ten sind Tra­mi­ner und Gold­ries­ling. Letz­te­re wird heu­te nur noch in bedeu­ten­der Men­ge in Sach­sen ange­baut. Eine wei­te­re Eigen­heit des Anbau­ge­bie­tes ist die soge­nann­te „Sach­sen­keu­le“, eine ganz spe­zi­el­le Fla­schen­form für beson­de­re Weine.

 

Die Tex­te wur­den mit freund­li­cher Unter­stüt­zung zur Ver­fü­gung gestellt von der Wein|Kultur|Bar und Wein­gut Karl Fried­rich Aust.

Mül­ler-Thur­gau

Weiß­wein

Ein Aro­men­strauß vol­ler Blüten

Als ein Kind kann man die 1882er Kreu­zung von Ries­ling und Sil­va­ner des aus dem Schwei­zer Kan­ton Thur­gau stam­men­den Dr. Her­mann Mül­ler von der König­li­chen Lehr­an­stalt in Gei­sen­heim bezeich­nen. Dr. Mül­ler führ­te bei sei­nem 1891 voll­zo­ge­nen Wech­sel zur Eid­ge­nös­si­schen Ver­suchs­an­stalt Wädens­wil in der Schweiz 150 Säm­lin­ge des wert­volls­ten Säm­lings Nr. 58 mit sich, die er 1897 erfolg­reich ver­mehr­te. Als Mül­ler-Thur­gau-Rebe kehr­te sie 1913 nach Deutsch­land zurück und wur­de bis 1930 ver­suchs­wei­se ange­pflanzt, bevor sie ab 1945 als Pfropf­re­be für den plan­mä­ßi­gen Wie­der­auf­bau ver­ant­wort­lich zeig­te und Mit­te der Sieb­zi­ger Jah­re als die meist­ge­pflanz­te Reb­sor­te Deutsch­lands gezählt wur­de. Angeb­lich ent­hüll­te eine DANN-Ana­ly­se der Uni­ver­si­tät in Davis, dass jedoch die leib­li­chen Eltern des Mül­ler-Thur­gau der Ries­ling und der Gut­edel sind.

DER WEIN aus die­ser weit ver­brei­te­ten Kreu­zung lebt kei­nes­wegs vom Namen allein, da er all­zu oft als Mas­sen­wein­pro­du­zent miss­braucht wird. So muss die Rebe Erträ­ge erbrin­gen, die über dem sie­ben­fa­chen eines Qua­li­täts­wei­nes lie­gen. Bei gerin­gen Erträ­gen und einer ordent­li­chen Arbeit im Wein­berg gerät der Mül­ler-Thur­gau respek­ta­bel. Typisch für die­se Reb­sor­te sind an frisch gepflück­te Blü­ten erin­nern­de, pri­mä­re Aro­men. Die Wei­ne sind zumeist unkom­pli­ziert, süf­fig, mit fei­nem Mus­kat­ton und mil­der Säu­re. Frisch getrun­ken ist er am schöns­ten. In der Regel soll­te man eine Lager­zeit von zwei bis drei Jah­ren nicht überschreiten.

DIE REBE ist stark­wüch­sig und bevor­zugt tief­grün­di­ge, fri­sche und nicht zu tro­cke­ne Böden. In der Regel hat sie gerin­ge Ansprü­che an den Boden­typ. Durch die gerin­ge Holz­rei­fe ist sie sehr frost­emp­find­lich. Sie ist sehr krank­heits­an­fäl­lig und bedarf einer sehr wohl gewähl­ten und auf den Stand­ort abge­stimm­ten Reberziehung.

Eigen­schaf­ten

sind hell­grü­ne, leicht pflau­mi­ge Trieb­spit­zen, mit röt­li­chem Anflug. Das in der Regel mit­tel­gro­ße Blatt gerät fünf‑, bis sie­ben­lap­pig, ist tief gebuch­tet, stark gewellt und an der Blatt­ober­sei­te kahl und leicht bla­sig. Die Unter­sei­te prä­sen­tiert sich spinn­we­big-ver­k­ah­lend. Die Trau­ben sind mit­tel bis groß, locker bis dick­bee­rig und konisch, nicht sel­ten geschul­tert ange­ord­net. Die Bee­ren sind mit­tel­groß, oval, gelb­lich­grün und leicht beduf­tet. Das Bee­ren­fleisch ist sehr saf­tig und mit einem deut­li­chen Mus­kat­bu­kett versehen.

Gold­ries­ling

Weiß­wein

Sach­sens auto­chtho­ne Diva

Die ein­zi­ge Kreu­zung aus Ries­ling und Cour­til­lier Mus­qué Pré­coce, geschaf­fen von Chris­ti­an Ober­lin aus Col­mar im letz­ten Vier­tel des 20. Jahr­hun­derts, die fast aus­schließ­lich zu die­ser Zeit an gewis­se Anbau­be­deu­tung gewon­nen hat.

DER WEIN neigt – wenn er nicht abso­lut qua­li­täts­ori­en­tiert gehän­delt wird – dazu, sehr dünn und säu­re­las­tig zu wer­den und wird zumeist zum Feder­wei­ßen ver­ar­bei­tet. Er soll­te ledig­lich im Edel­stahl­tank aus­ge­baut und grund­sätz­lich in den ers­ten zwei Jah­ren kon­su­miert werden.

Typisch für den Gold­ries­ling ist sei­ne appe­tit­lich ker­ni­ge Säu­re und die schlan­ke, gerad­li­ni­ge Aus­strah­lung. Er kann eine fas­zi­nie­ren­de Fili­gra­ni­tät erlan­gen. Sei­ne Bestim­mung soll­te die des Trink­wei­nes, nicht so sehr die des Spei­se­be­glei­ters, sein, da er mit sei­nen zar­ten Aro­men meis­tens in der Kom­bi­na­ti­on unter­geht. Leicht fin­det man kräu­te­ri­ge Nuan­cen, die den Genie­ßer an Thy­mi­an oder Basi­li­kum erin­nern, aber auch Birnen‑, Apfel- und Kiwi­a­ro­men im wohl­tem­pe­rier­ten Glas.

DIE REBE reift früh und ver­fügt zudem über eine sehr gerin­ge Anfäl­lig­keit gegen­über Win­ter­frös­ten, was ihn zu einem abso­lut gern gese­he­nen Kum­pa­nen der nörd­lich situ­ier­ten Wein­bau­ern macht. An Boden oder Kli­ma stellt er recht wenig Ansprü­che – ledig­lich raubt ihm zuviel Was­ser einen Hauch sei­nes Typs.

Eigen­schaf­ten

Er ist als stark wach­send und sehr reich tra­gend zu bezeich­nen. Die Trau­be des Gold­ries­lings gerät mit­tel­groß, die Bee­ren sind in der Far­be grün­weiß und über­bräunt. Der Geschmack der Trau­be ist sehr fein und aus­ge­spro­chen würzig.

Ries­ling

Weiß­wein

Der Mus­ter­schü­ler wur­de wahr­schein­lich aus den Wild­re­ben am Ober­rhein aus­ge­le­sen. Die frü­hes­te Nen­nung für Wur­zel­re­ben stammt 1435 aus Rüs­sel­heim. Er gehör­te zu den emp­foh­le­nen Sor­ten aller Lan­des­her­ren an Rhein und Mosel. Die Her­kunft des Namens rührt ver­mut­lich von der Nei­gung zur Verrieselung.

DER WEIN, der aus die­ser Reb­sor­te gekel­tert wird, gilt nicht sel­ten als die Spit­ze der Weiß­wein­welt. Die Ries­ling­trau­be lie­fert groß­ar­ti­ge, erns­te, tro­cke­ne, span­nungs­ge­la­de­ne, köst­li­che, lieb­li­che und auf­re­gen­de, super­sü­ße Trop­fen, die den Gau­men mit Aro­men über­flu­ten. Ras­sig, leben­dig frisch, ele­gant, vor­nehm, adlig, von fruch­ti­ger Säu­re gekenn­zeich­net, sind alle Qua­li­täts­stu­fen vom fruch­ti­gen Knei­pen­wein bis zur hoch­wer­tigs­ten Tro­cken­bee­ren­aus­le­se mög­lich. Typisch für den Ries­ling sind Aro­men, wel­che den Genie­ßer an Pfir­sich, grü­nen Apfel, Quit­te, Ana­nas und Zitro­nen­scha­le erin­nern. Jedoch reagiert der Ries­ling ganz beson­ders auf den Boden­typ und kann nicht sel­ten auch sehr flo­ra­le, wür­zi­ge, kräu­te­ri­ge, ja sogar Aro­men, die an Kat­zen­urin oder Petrol erin­nern, hervorbringen.

DIE REBE ist im Anbau abso­lut pro­blem­los und für fast alle Böden und Erzie­hun­gen geeig­net. Die spät rei­fen­de Sor­te benö­tigt jedoch die aller­bes­ten Lagen.

Eigen­schaf­ten

Die Trieb­spit­zen sind gelb­grün, weiß­fil­zig und rot behaart. Das Blatt ist mit­tel­groß-fünf­lap­pig, die Ober­flä­che bla­sig, die Unter­sei­te völ­lig behaart und der Blatt­rand ist stumpf gezähnt. Die Trau­be ist klein bis mit­tel­groß, geschul­tert und dick­bee­rig, die Bee­ren sind klein bis mit­tel­groß, rund, grün­gelb, schwarz punk­tiert, die Son­nen­sei­te gelb­braun. Der Geschmack ist saf­tig, fruch­tig-säu­er­lich, bei Voll­rei­fe würzig-süß.

Weiß­bur­gun­der

Weiß­wein

Das Aschen­put­tel

Der Weiß­bur­gun­der ist eine wil­de Muta­ti­on aus dem Pinot Gris (Grau­bur­gun­der). Er wur­de frü­her als Har­mo­nie­trä­ger mit vie­len Sor­ten zusam­men­ge­pflanzt. Sor­ten­aus­le­se (z. B. durch Johann Phil­ipp Bron­ner) vor 150 Jah­ren trenn­te den gro­ßen Wei­ßen Bur­gun­der vom klei­nen – in Frank­reich auch Pinot Blanc genannt – und vom als Gel­ber Bur­gun­der bezeich­ne­ten Chardonnay.

DER WEIN, den man als ganz typi­schen Weiß­bur­gun­der bezeich­nen kann, wur­de lei­der noch nicht gekel­tert, da es kei­ne Wein­re­gi­on auf die­ser Erde gibt, in wel­cher die­se Reb­sor­te die Haupt­rol­le spielt. Doch fin­det man sie über­all. Recht stark auf Boden und Kli­ma reagie­rend, fin­det man in Deutsch­land kräf­ti­ge, aro­ma­ti­sche Ver­tre­ter, die spie­lend mit einer Spät­le­se oder Aus­le­se­qua­li­tät auf­war­ten kön­nen und nicht sel­ten ihre Rei­fe im klei­nen Holz­fass erfah­ren. In Nord­ita­li­en hin­ge­gen gelingt er leicht und sprit­zig, im Elsass aus­ge­spro­chen mine­ra­lisch und in Ost­eu­ro­pa fast charakterlos.

Typisch sind bei einem frisch gekel­ter­ten Wein saf­tig-süße Apfel­aro­men, die mit etwas Belüf­tung das Aro­men­kleid einer saf­ti­gen Wil­liams­bir­ne anneh­men. Sah­nig-cre­mig könn­te man sei­nen, immer von einer fei­nen, nie aggres­si­ven Säu­re beglei­te­ten, Kör­per bezeich­nen. Ein Schmeich­ler, ein Lieb­chen – so ist er – unkompliziert.

DIE REBE hat mitt­le­re bis höhe­re Ansprü­che an Lage und Boden und bringt eine hohe Rei­fe, falls der Botry­tis kei­ne vor­zei­ti­ge Lese erfor­der­lich macht.

Eigen­schaf­ten

Er ist häu­fig erst bei Trau­ben­rei­fe vom Grau­en oder Blau­en Bur­gun­der – oft noch nicht ein­mal dann vom Char­don­nay – unter­scheid­bar. Die Trieb­spit­zen sind stark wol­lig, weiß­grün­lich, das Blatt ist mit­tel­groß, kaum gebuch­tet und schwach drei­lap­pig. Die Ober­flä­che ist bla­sig, der Rand stumpf gezähnt, die Stiel­bucht V‑förmig. Die Herbst­far­be der Blät­ter ist gelb. Die Trau­be ist mit­tel­groß bis groß, wal­zen­för­mig, dicht­bee­rig und manch­mal geteilt. Die Bee­ren sind läng­lich bis rund, dünn­häu­tig und grün­gelb. Sie schme­cken saf­tig und dezent fruch­tig und sind als Esstrau­be wenig geeignet.

Tra­mi­ner

Weiß­wein

Ein Glas vol­ler Blüten

Der Tra­mi­ner gilt in der Wein­welt als eine Spe­zi­al­sor­te für Bukett­wei­ne. Man spe­ku­liert, dass die­se Reb­sor­te bereits in der Anti­ke ein Ren­ner war, ver­misst jedoch ein­schlä­gi­ge Bewei­se dafür. Erst­mals fand Bron­ner 1857 ein männ­li­ches, wil­des Exem­plar am Rhein. Im Mit­tel­al­ter kam die Sor­te in Süd­ti­rol vor. 1470 stell­te Her­zog Sieg­mund vier Fuder als Mess­wein zur Ver­fü­gung. 1593 bereits warn­te Alber­ti­nus die Frau­en davor, zu viel des schwe­ren Tra­mi­ner­wei­nes zu genie­ßen. Zu den favo­ri­sier­ten Reb­sor­ten des Mark­gra­fen von Baden (1753) gehör­te neben Rulän­der auch Ries­ling und Tra­mi­ner. Mit dem Ries­ling und einer reich tra­gen­den Reb­sor­te gehör­te er zum klas­si­schen „gemisch­ten Satz“. In Roth in der Pfalz konn­te ein fast sor­ten­rei­ner 400 Jah­re alter Tra­mi­ner­wein­berg bewahrt werden.

DER WEIN wirkt immer ein wenig geschminkt oder viel­leicht bes­ser über­schminkt, wenn es ein rich­ti­ger Tra­mi­ner ist. Doch kann er es sich erlau­ben, denn trotz eines immer zu viel des Guten, der Prä­sen­ta­ti­on als Aro­men­bom­be, die kei­ne Aro­men­sek­ti­on aus­zu­las­sen scheint, gefällt er. Ein unsau­be­rer oder auch zu alter Tra­mi­ner kann leicht ein wenig fett und schlam­pig wir­ken, Unrein­hei­ten kann er beson­ders schlecht ver­ber­gen, sau­ber und balan­ciert jedoch hat er ein Stan­ding in der Wein­welt, das kaum eine ande­re Reb­sor­te erreicht hat. Einen Tra­mi­ner erkennt selbst der größ­te Geschmacks­neu­ro­ti­ker im Glas wieder.

Typisch ist ein Tra­mi­ner, wenn er in aller­ers­ter Linie nach rei­fen Trau­ben und Mus­kat­nuss schmeckt. Hin­zu kommt eine Viel­zahl von Aro­men, die alle­samt auf­zu­zäh­len spie­lend die­se Sei­te fül­len wür­den. Am meis­ten kom­men vor: Lit­schi, Rose, Nivea-Creme, Zimt, Veil­chen, Oran­gen­blü­te, Zitrus­früch­te, Ber­ga­mot­te, Tee…

DIE REBE hat sehr hohe Ansprü­che an den Boden und das Kli­ma. Sie neigt zur Ver­rie­se­lung und Abbau­erschei­nun­gen. Sie reift mit­tel­früh mit zumeist hohen Zucker­gra­den und hat in der Regel einen sehr gerin­gen Ertrag.

Eigen­schaf­ten

Die Trieb­spit­zen der Rebe sind weiß-rot-fil­zig beharrt. Das Blatt ist klein, rund, drei­lap­pig und nicht sel­ten brei­ter als lang. Die Ober­sei­te bla­sig und beharrt. Die Unter­sei­te stark fil­zig und beharrt, die Ner­ven röt­lich, wol­lig bis bors­tig und beharrt. Der Blatt­rand ist wech­selnd stumpf gezähnt, die Stiel­bucht V‑förmig bis geschlos­sen. Die Trau­ben klein bis mit­tel­groß, dick­bee­rig und gedrun­gen. Die Bee­ren sind klein, rund bis läng­lich, grau bis braun­rot und umge­ben von einer dicken Scha­le. Der Geschmack ist saf­tig, süß mit einem an Rosen erin­nern­den Aroma.

Dorn­fel­der

Rot­wein

Die Frucht­bom­be

August Herold kreuz­te 1955 in Lauf­fen die­se Sor­te aus Hel­fen­stei­ner (Früh­bur­gun­der x Trol­lin­ger) x Herold­re­be (Por­tu­gie­ser x Lim­ber­ger). Nach 1975 ver­brei­te­te sich die Rebe in Deutsch­land anfangs recht lang­sam, spä­ter rasend schnell (Sor­ten­lis­te 1979, Sor­ten­schutz 1980). Die Sor­te ist nach dem Wein­bau­fach­mann Ima­nu­el Dorn­feld aus Weins­berg benannt.

DER WEIN ist ein ehr­li­cher Gesel­le, spielt nicht wirk­lich in der ers­ten Liga, will aber auch nicht mehr sein als ein saf­tig- fruch­ti­ger Wein. Die­se Rol­le erfüllt er stets mit Bra­vour. Bei einem Dorn­fel­der zählt immer das Unkom­pli­zier­te. So ist er zumeist direkt nach der Abfül­lung trink­bar und soll­te auch einem kurz- oder mit­tel­fris­ti­gen Kon­sum unter­le­gen sein. Der Dorn­fel­der kann ein Mas­sen­trä­ger sein, der auf­grund sei­ner inten­si­ven Far­be und der immer prä­sen­ten Frucht trotz allem genieß­bar ist. Bei gerin­gen Erträ­gen und einem sorg­fäl­ti­gen Anbau ist sogar ein Aus­bau im Eichen­holz­fass denkbar.

Typisch für den Dorn­fel­der ist eine aus­ge­spro­chen dunk­le Far­be, die sogar fast die Glä­ser ein­zu­fär­ben scheint und ins Blau­ro­te ten­diert. Ein Dorn­fel­der hat meist ein glat­tes Äuße­res und ein kom­pak­tes Inne­res. Je nach Rei­fe und Aus­bau­art fin­det man im Glas einen zar­ten bis mar­kan­ten Wein vor. Als ganz typi­sche Aro­men fin­det der auf­merk­sa­me Nasen­freund stets rei­fe Pflau­me, schwar­ze Johan­nis­bee­re, Blau­bee­re und Mohn wie­der. Gepaart mit den schöns­ten weih­nacht­li­chen Aro­men ist er ein wun­der­vol­ler Beglei­ter zu Omas Selbstgebackenem.

DIE REBE ist eine früh rei­fen­de Sor­te, die wegen ihres star­ken auf­rech­ten Wuch­ses einen groß­räu­mi­gen Draht­rah­men erfor­dert. Sie ist sehr frost­emp­find­lich und lei­det unge­mein stark unter Tro­cken­heit. Wegen der locke­ren Trau­ben­an­ord­nung und der dicken Bee­ren­scha­le besteht eine äußerst gerin­ge Anfäl­lig­keit für Botry­tis, des­halb ist sie auch nur bedingt als Tafel­trau­be geeignet.

Eigen­schaf­ten

Die Trieb­spit­zen sind weiß bis röt­lich und fil­zig beharrt. Das Blatt ist sehr groß, stark fünf­lap­pig und bla­sig gewellt. Die Stiel­bucht weit über­lap­pend, die Rän­der grob gezähnt. Die Trau­ben wer­den sehr groß und lang, sind breit geschul­tert und locker­bee­rig. Die Bee­ren gera­ten mit­tel bis groß, rund bis leicht oval, tief­dun­kel und blau­g­rau­be­duf­tet. Die Bee­ren­scha­le ist sehr dick, der Saft leicht rot gefärbt, der Geschmack fruchtig-süß.

Spät­bur­gun­der

Rot­wein

Die Köni­gin der roten Sor­ten – und der Lieb­ling aller Weinfreaks

Spät­bur­gun­der ist eine der ältes­ten Kul­tur­re­ben. Alle kul­ti­vier­ten Reben gehen auf Wild­re­ben zurück, und neue gene­ti­sche For­schun­gen las­sen anneh­men, dass der Spät­bur­gun­der vor gut 2000 Jah­ren domes­ti­ziert wur­de. Schon im 4. Jahr­hun­dert soll er im Bur­gund hei­misch gewe­sen sein, doch ers­te schrift­li­che Auf­zeich­nun­gen stam­men erst aus dem Jah­re 1375. Durch die gene­ti­sche Insta­bi­li­tät ist der Spät­bur­gun­der einer ste­ti­gen Muta­ti­on aus­ge­setzt, was auf der einen Sei­te für Win­zer ide­al ist, da sich die Rebe dem Kli­ma und der Umge­bung anpasst, doch zugleich auch Nach­tei­lig­kei­ten in sich birgt, denn um so schwe­rer hält man die gewünsch­ten Eigen­schaf­ten eines Klons stabil.

DER WEIN gilt als die anspruchs­volls­te rote Reb­sor­te, die sowohl dem Win­zer als auch dem spä­te­ren Genie­ßer außer­ge­wöhn­lich viel Ver­ständ­nis, Wis­sen und Sen­si­bi­li­tät abver­langt. Auf­grund der gro­ßen Anpas­sungs­fä­hig­keit der Reb­sor­te gibt es kei­ne klar defi­nier­ten Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten. Oder anders aus­ge­drückt: Es gibt sie, aber es sind ca. fünf­tau­send. Ein Spät­bur­gun­der gilt immer als sehr sen­si­bel, viel­schich­tig, ele­gant, appe­tit­lich, nach­hal­lend, tief­grün­dig und ver­spielt. Auf­grund der dis­kre­ten Zurück­hal­tung der Wei­ne die­ser Reb­sor­te pas­sen sie eigent­lich nicht wirk­lich in unse­re vor­der­grün­di­ge, lau­te Welt.

Typi­sche Beschrei­bun­gen wie Erd­bee­re, Schwarz­kir­sche, Leder, Wild, Pil­ze, Weih­rauch, Gewür­ze, aber auch Unter­holz und ver­rot­te­te Blät­tern sind immer nur Annä­he­run­gen an das viel­schich­ti­ge Geschmacks­bild des Spät­bur­gun­ders. Einen Pinot anhand einer bestimm­ten Frucht zu defi­nie­ren scheint unmög­lich, denn kaum hat man ver­meint­lich einen prä­zi­sen Ver­gleich gefun­den, ent­deckt man schon wie­der etwas ande­res. Und das dau­ert bei einem Glas vie­le Stun­den. Er gilt als der Wein, von dem man nie genug bekom­men kann, und dank sei­ner stets appe­tit­li­chen Säu­re wirkt er in der Tat unglaub­lich ani­mie­rend. Ein­fa­che­re Wei­ne kön­nen dünn und leicht mar­me­la­dig schme­cken, den­noch soll­te der Wein fruch­tig und unter­schwel­lig bis dezent süß anzu­tref­fen sein.

DIE REBE berei­tet im Anbau, wegen sei­ner hohen Anpas­sungs­fä­hig­keit, nahe­zu nie Sor­gen. Jedoch ist er auf­grund der äußerst engen Bee­ren­an­ord­nung sehr anfäl­lig für Fäul­nis, was oft eine viel zu frü­he Lese erfor­dert. Für kaum eine ande­re Reb­sor­te jedoch ist der opti­ma­le Lese­zeit­punkt von enor­mer Wich­tig­keit. Über­emp­find­lich ist die Sor­te gegen­über Rei­sig­krank­hei­ten, was sei­ner­zeit den Anbau an der Ahr fast voll­stän­dig zum Erlie­gen brachte.

Eigen­schaf­ten

Stark wol­li­ge Trieb­spit­zen beglei­ten ein mit­tel­gro­ßes, dun­kel­grü­nes Blatt, das rau bis bla­sig, meist wenig gebuch­tet, manch­mal schwach drei bis- sel­ten fünf­lap­pig erscheint. Die Blatt­un­ter­sei­te ist leicht wol­lig beharrt, die Ner­ven sind ein­zeln bebors­tet, der Blatt­rand stumpf gezähnt, die Stiel­bucht V‑förmig. Die Trau­ben aller Typen sind klein bis mit­tel­groß, wal­zen­för­mig, dick­bee­rig, sel­ten geschul­tert. Neue locke­re Klo­ne sind weni­ger botry­ti­s­an­fäl­lig. Die Bee­ren sind rund bis oval dun­kel­blau, stark grau­blau beduf­tet und sehr dünn­häu­tig. Der Geschmack ist saf­tig, fruch­tig und süß.